26.Juli.2022, Schwarzwälder Bote, Hochwasserschutz in Sulz -Flutmulden reichen im Notfall nicht aus

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Jasmin Cools 26.07.2022 - 15:12 Uhr / Foto: Reimer Becken, Balken, Mauern – diese Schutzmaßnahmen sollen schnell auf den Weg gebracht werden, um potenzielle Hochwasserkatastrophen in den Stadtteilen Bergfelden, Renfrizhausen und Mühlheim zu verhindern. Klar ist jedoch: Einen absoluten Schutz gibt es nicht.

Sulz - In Sulz wurde der Mühlbach bereits vor einigen Jahren untersucht. Obgleich die daraus entstandene Konzeption im Rahmen einer Informationsveranstaltung vor rund zwei Monaten vorgestellt und Fragen beantwortet worden waren, gab es in der Sulzer Gemeinderatssitzung am Montag noch Klärungsbedarf. 

Rückhaltebecken in Bergfelden
Zunächst stellten die Planer Yves Ayadi und Markus Fritz vom Ingenieurbüro Wald + Corbe nochmals die angedachten Maßnahmen vor. Zu diesen zählt in erster Linie der Bau eines 25 000 Kubikmeter Wasser fassenden Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) in Bergfelden am Ortseingang von Vöhringen kommend.


Ortsvorsteher Martin Sackmann erinnerte daran, dass die Bergfelder mit dem geplanten Standort nicht glücklich seien, weil man sich mit einem HRB mögliche Entwicklungen verbauen könnte. Eine Verschiebung in Richtung Vöhringen wurde vorgeschlagen. Zudem wies Sackmann auf die akute Gefahr hin. Hochwasserschutzmaßnahmen sollten baldmöglichst, "nicht erst in zehn Jahren", umgesetzt werden. Markus Fritz erklärte, der Standort sei variabel, solange er sich in der Nähe befinde und Platz für ein Becken dieser Größe biete.

Rechen und Schutzwände
Flankiert wird der geplante Bau des HRB von lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen in den Stadtteilen. So soll das Kanalnetz in Bergfelden unter anderem durch einen Noteinlauf leistungsfähiger gemacht werden. Rechen und mobile Schutzwände sind ebenfalls vorgesehen.

In Renfrizhausen soll der Weg auf der in Fließrichtung linken Gewässerseite um rund 40 Zentimeter angehoben werden. Auf der anderen Seite ist eine Blocksatzwand entlang des Weges vorgesehen sowie Dammbalken, um einzelne Gebäude zu schützen, und eine etwa einen Meter hohe und 60 Meter lange Schutzmauer.

In Mühlheim sind mehrere Verwallungen und Schutzmauern vorgesehen. Vorhandene Abstürze im Gewässer sollen rückgebaut werden. Im Verlauf des Mühlbachs Richtung "Frau Wolle" wäre eine Aufweitung des Gewässers inklusive einer Anpassung der Brücke denkbar.
Wasser in Fläche halten?

Renfrizhausens Ortsvorsteher Reiner Kimmich (FWV) fand, dass man das Wasser lieber in der Fläche halten sollte, statt es zu kanalisieren und weiterzuleiten. Er schlug eine Flutmulde vor Renfrizhausen vor.

Markus Fritz erklärte, bei den Planungen rechne man mit einem 100-jährigen Hochwasser und angenommenen Wassermengen von bis zu 350 000 Kubikmetern. Flutmulden hätten da nicht die erforderliche Wirkung, wenn sie auch, ökologisch gesehen, die schönere Lösung wären.

Die natürliche Drosselung durch eine Flutmulde werde nicht ausreichen, um durch die Mühlbach-Verdolung zu kommen, prognostizierte der Planer. Das schaffe man schon mit dem vom Planungsbüro vorgeschlagenen Vorgehen gerade einmal so. "Mit dezentralem Hochwasserschutz werden wir Mühlheim und die anderen Ortslagen nicht hochwasserfrei kriegen", stellte er klar. Generell habe man Alternativlösungen natürlich erwogen und geprüft. Erst dann werde eine Konzeption überhaupt von den Behörden anerkannt, erklärte Fritz.
Problem: Verdolung

Bedenken, die in der Bürgerfragestunde geäußert wurden, waren unter anderem, dass das Regionale Gewerbegebiet zu einer höheren Belastung der Kläranlage, einer größeren Einleitmenge in den Mühlbach und damit zu Problemen bei Hochwasser führen könnte. Planer Fritz meinte, dabei handle es sich um so geringe Mengen, dass man davon im Hochwasserfall nicht viel merken werde.

Mühlheims Ortsvorsteherin Barbara Klaussner (CDU) trieb derweil das Problem mit der Mühlbach-Verdolung um. Sie fragte, ob man an dieser Stelle nicht schon einmal eingreifen und die Gefahr somit minimieren könne. Einfach ein paar Meter abzugraben, wäre unwirtschaftlich und würde kaum einen Unterschied machen, erklärte Alexander Beller vom Stadtbauamt. Nächste Woche sei ein Vor-Ort-Termin geplant, um sich die Situation genau anzuschauen.

Klaussner erkundigte sich zudem danach, wie man sich die geplante Weganhebung vorstellen dürfe. Yves Ayadi erklärte, der Weg werde über Rampen erhöht und von Blocksatzwänden links und rechts eingefasst. Die Fahrbahn müsste man dann auf einer Länge von etwa 20 Metern neu bauen.
Bauhof-Personal ist knapp

Heidi Kuhring (GAL) gab zu bedenken, dass die Elemente für den Hochwasserschutz pflege- und wartungsintensiv seien. Mit Blick auf eine Äußerung Bellers zur knappen Besetzung des Bauhofs regte sie an, personell nachzusteuern, ehe man Millionen in den Hochwasserschutz investiere und dann mit der Wartung nicht hinterherkomme.

Kuhring fragte zudem, ob man Beispiele der geplanten Hochwasserschutzelemente besichtigen könne. Stadtbaumeister Reiner Wössner zählte unter anderem Ufermauern in Glatt und Elemente in Bettenhausen auf. Alexander Beller meinte, eine Besichtigung sei jetzt noch nicht sinnvoll. Denn was genau an welche Stelle in Bergfelden, Renfrizhausen oder Mühlheim komme und wie hoch die Elemente seien, das werde erst in einem späteren Stadium der Planung festgelegt.
Einsatzplan erforderlich

Auch Achim Süss vom Kreisumweltschutzamt verwies darauf, dass vor der Umsetzung noch viele Prüfungen, wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung, vorgenommen würden. Man befinde sich noch in einem frühen Planungsstadium.

Andrea Dreher (CDU) erkundigte sich nach der Finanzierung von Maßnahmen, wie Hochwasserschutztoren für einzelne Gebäude oder Garagen. Als Eigentümer müsse man die Maßnahmen lediglich zulassen, erklärte Ayadi. Finanziert würden sie von der Stadt beziehungsweise bei der Förderung vom Land.

Schutztore vor Garagen beispielsweise müssten dann bei Hochwasseralarm aktiv geschlossen werden, erklärte Ayadi das Vorgehen. Wer das übernehme, müsse über einen Einsatzplan geregelt werden. An besonders kritischen Stellen sei auch eine automatische Schließung möglich.
Stadt muss in Vorleistung gehen

Der Sulzer Gemeinderat gab sein einstimmiges Votum für das vorgestellte Projekt. Die weitere Beschlussfassung ist für die Haushaltsplanberatungen für 2023 vorgesehen. Ein Förderantrag kann erst nach der Genehmigungsplanung gestellt werden. Die Stadt Sulz muss also in Vorleistung gehen. Rund 450 000 Euro sind für Ingenieurhonorar, weitere Planungskosten und den Grunderwerb (rund 120 000 Euro davon) im Haushalt 2023 einzuplanen. Der Förderantrag soll 2024 gestellt werden.

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