01.August.2021, Bretten/Diedelsheim - "Dem Bach Freiheiten zurückgeben"

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Baustellenbegehung an der Saalbach Autor: Havva Keskin aus Bretten

Bretten (hk) Im Brettener Stadtteil Diedelsheim wird die derzeit größte Maßnahme in Sachen Hochwasserschutz realisiert. Insgesamt erstrecken sich die Bauarbeiten dort im und um das Bett des Saalbach über 850 Meter von der Brückenfeldstraße bis zum Ortsende von Diedelsheim, wobei auch die ökologische Aufwertung und Renaturierung des Saalbachs berücksichtigt werden. Die Gesamtkosten der Bauarbeiten belaufen sich auf rund 2,1 Millionen Euro, gebaut werden soll noch bis Ende dieses Jahres.
Fabian Dickemann, Amtsleiter Bauen, Gebäudemanagement, Umwelt und Tiefbau, freute sich verkünden zu können, dass die bereits umgesetzten Maßnahmen bei den jüngst vergangenen Regenereignissen schon erste Früchte getragen hätten, obwohl „wir noch nicht fertig sind.“ Bereits abgeschlossen sei die Aufweitung des Bachbetts am Wasserlauf. „Vorher hatte das ganze hier eher einen Kanalcharakter“, erklärte Dickemann. Dem wirke man nun mit einem „großzügigen, mäandrierenden Gewässerverlauf“ entgegen.

Entwässerung durch Auslässe ins Gewässer

Gregor Kühn, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Wald+Corbe, sagte: „Wir haben einen gewissen Platz zur Verfügung gehabt und in diesem Raum haben wir versucht, das Bestmögliche herauszuholen.“ Die Aufweitung des Bachbetts sei vor allem im Falle eines Hochwassers entscheidend, ergänzte er die Ausführungen von Dickemann. Durch die Retentionsfläche werde das sich Ausbreiten des Wassers mit Absicht nicht verhindert, damit das Wasser breitflächig ankommen und sich im eigentlichen Bachbett kanalisieren kann. Der Leitdeich, der etwa 80 Zentimeter hoch sein werde, soll laut geotechnischem Gutachten standsicher sein. „Es wurde geprüft, dass es sich hier um eine sichere Begrenzung im Hochwasserfall handelt und nicht nur um einen Erdhaufen, der einfach aufgeschüttet wurde“, betonte Kühn. „Was passiert, wenn hinter dem Damm durch Starkregen Wasser steht?“ wurde gefragt. Dickemann antwortete, dass eine Entwässerung durch Auslässe ins Gewässer möglich sei.

„Die Brücke wird immer ein Nadelöhr bleiben“

Während das alte Wehr an der Saalbach ein Wanderhindernis für Fische war, wurde nun im Sinne der ökologischen Aufwertung des Saalbachs als Unterstandsmöglichkeit für Fische eine Kiesbank aufgeschüttet. An einigen Stellen, so Kühn, sei mit Absicht feiner Kies eingebracht worden, damit sich der Bach auf ganz natürliche Art und Weise selbst gestalten kann: „Man hat dem Bach, innerhalb der Grenzen in diese Ortslage, Freiheiten zurückgegeben, die möglich waren.“
Diskutiert wurde auch der Bereich um die Brücke an der Schwandorfstraße, wo noch Umgestaltungsmaßnahmen zu erwarten sind. „Die stehen aber demnächst an“, kündigte Kühn an und fügte hinzu: „Die Brücke ist ein Nadelöhr und sie wird auch immer ein Nadelöhr bleiben.“ Der Zulaufbereich werde „strömungsgünstiger“ gestaltet, damit das Wasser gezielter hindurch kommt. Die letzte Maßnahme im Bereich um die Brücke soll die Errichtung einer 60 Zentimeter hohen Spundwand entlang der Straße am Saalbach bis zur Firma Getränke Weiß sein.

Eilantrag zum Baustopp

Überschattet wurde die Baustellenbegehung durch Äußerungen von einigen wütenden Anwohnern, die der Stadt Bretten Fehlplanungen bei den Hochwasserschutzmaßnahmen vorwerfen. Dickemann erklärte, dass in diesem Zuge gegen das Landratsamt Karlsruhe geklagt worden sei. Beim zuständigen Gericht sei eine Eilentscheidung beantragt worden sein, damit die Baustelle gestoppt werde. „Wir als Stadt Bretten sind aber nicht beklagt“, stellte Dickemann klar. Der Antrag sei allerdings bereits vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden. So durfte die Stadt Bretten „hier weiter Tatsachen schaffen“, sagte der Amtsleiter. Bürgermeister Nöltner wies den Vorwurf der Anwohner zurück, sie seien über die Maßnahmen nicht informiert worden: „Das stimmt nicht. Es hat mehrfach Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit gegeben.“ Heidi Leins wollte in Erfahrungen bringen, ob es schwierig war, die Baumaßnahmen umzusetzen, obwohl einige Anwohner offensichtlich nicht einverstanden seien. Dickemann sagte, es habe mehrere, aber erfolglose gerichtliche Verfügungen gegeben. Außerdem würden die Bauarbeiter nahezu „täglich beschimpft und gegen ihren ausdrücklichen Wunsch gefilmt und fotografiert“ werden.

 

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