30.April.2019, Offenburger Tageblatt - Hochwasserschutz am Dorfbach unter der Lupe-Starkregen bleibt ein Risiko für Unterentersbach

Test

Der Schutz vor Überschwemmungen kann in Unterentersbach nur durch Objektschutzmaßnahmen an gefährdeten Gebäuden erfolgen. Dies ist das Fazit einer Ortschaftsratssitzung mit Ortsbegehung am Samstag. Joachim Corbe vom Büro Wald + Corbe erteilte damit auch einem Rückhaltebecken eine Absage.

Bereits Ende Januar informierte das Büro Wald + Corbe über das Ergebnis der sogenannten Flussgebietsuntersuchung auf der Gemarkung Zell. Die Experten berechnen hierbei aufgrund verschiedener Faktoren das Verhalten von Wasserläufen und in diesem Zuge mögliche Hochwassergefahren (wir berichteten).

Das Ergebnis vor rund drei Monaten war eindeutig, aber auch mit Kosten verbunden: Wenn die Stadt Zell den Harmersbach und den Dorfbach Unterentersbach gegen Hochwasser sichern möchte, würde das insgesamt rund 6,5 Millionen Euro kosten. Stimmige Gesamtkonzepte bezuschusst das Land mit bis zu 70 Prozent der Kosten.

Am Samstag tagte der Ortschaftsrat Unterentersbach und verband die Sitzung mit einer Ortsbegehung. Mit dabei war erneut Joachim Corbe. Der Zeller Stadtteil hat im Gegensatz zum weitaus größeren Harmersbach zwar »nur« einen eher beschaulichen Dorfbach, doch der tritt besonders bei Starkregen relativ schnell über die Ufer und überflutet vor allem den tiefer gelegenen Bereich des Dorfs großflächig.. Die Kapazität des Baches liegt bei rund 5,5 Kubikmeter Wasser/Sekunde, Erweiterungen des Bachbetts scheitern wohl am nicht vorhandenen Platz.

Grundsätzlich gibt es insofern zwei Möglichkeiten, um Überschwemmungen zu verhindern: Ein Hochwasserrückhaltebecken oder ein punktueller Objektschutz. Die Experten hatten ausgerechnet, dass ein Rückhaltebecken oberhalb des Orts rund 110?000 Kubikmeter Wasser aufnehmen müsste, um ein sogenanntes 100-jähriges Hochwasser aufzunehmen, die Berechungsgrundlage für alle Maßnahmen. Dafür müsste die Dammhöhe des Beckens zwölf Meter betragen, »gewaltig«, wie Corbe es nannte. Solch ein Becken würde rund 4,4 Millionen Euro kosten.

Keine Förderung

Trotz der Drosselung der Wasserzufuhr kämen im Bach in der Ortsmitte immer noch 7,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde an, der Bach würde also dennoch über die Ufer gehen. »Das Land würde das nicht fördern, da das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gegeben ist«, stellte Corbe fest. Anders gesagt: Obwohl für Anlieger natürlich Schäden auftreten, käme keine Schadenssumme zusammen, die solch eine Investition rechtfertigen würde.

Für Unterentersbach bleibt also nur der Schutz betroffener Objekte, wie es bereits Ende Januar angekündigt wurde. Rund 550?000 Euro würden solche Einzelmaßnahmen in der Summe kosten, hatten die Experten errechnet.

Was das sein könnte, zeigte Joachim Corbe den Ortschafträten und den rund zehn Zuhörern zunächst im Dorfgemeinschaftshaus und später auch vor Ort. So können Lichtschächte oder Kellerabgänge durch entsprechende Vorrichtungen geschützt werden, ebenso Hof- und Garageneinfahrten, durch feste oder mobile Abgrenzungen. Auch eine Wasserschutztür kann helfen, aber auch nur ein Ventil im Keller, das schließt, wenn der Wasserpegel steigt. Oft ist es auch nur der Einbau einer zusätzlichen Stufe, die Treppenabgänge vor Überflutung schützt.

All diese Einzelmaßnahmen würden zu 100 Prozent erstattet, da sie zum Gesamtkonzept der Stadt Zell beim Hochwasserschutz gehören. Allerdings aber auch erst dann, wenn dieses Gesamtkonzept umgesetzt und gefördert wird. Da bis dahin das Hochwasserrisiko bleibt, möchte Ortsvorsteherin Andrea Kuhn darauf hinwirken, dass die Stadt je nachdem bei privaten Maßnahmen auch schon in Vorleistung geht, wie sie erklärte. Joachim Corbe appellierte auch grundsätzlich daran, bei Straßensanierungen oder Hausneubauten im Ort den Hochwasserschutz schon mit einzuplanen.

 

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